Rechtstipps

Gesellschaftsrecht

Von Rechtsanwalt Bernfried Rose

Hamburg, 09.11.2017: Wenn ein Unternehmen verkauft werden soll stellt sich die grundlegende Frage, ob dies im Wege des „Share Deal“ oder „Asset Deal“ erfolgen soll. Beim Share Deal werden Gesellschaftsanteile verkauft während beim Asset Deal ein Unternehmen seine einzelnen Wirtschaftsgüter veräußert. Die Begriffe Share Deal und Asset Deal haben sich derart im M & A-Sprech eingebürgert, dass es zu den Begriffen keine wirkliche deutsche Alternative gibt. Wirtschaftlich führen beide zum gleichen Ergebnis: Das Unternehmen wird auf den Erwerber übertragen. Rechtlich betrachtet unterscheiden sich die beiden dagegen wie Tag und Nacht. Nicht einmal der Verkäufer ist der gleiche. Während beim Share Deal die Gesellschafter als Anteilsinhaber ihre Anteile an den Erwerber übertragen verkauft beim Asset Deal die Gesellschaft selbst die Wirtschaftsgüter und ist somit Vertragspartner des Erwerbers. Der Einzelkaufmann hat übrigens gar keine Wahl. An ihm gibt es niemanden der Anteile hält und er ist das Unternehmen, dem die Wirtschaftsgüter unmittelbar gehören. Im bleibt also nur der Asset Deal. Es sei denn er wandelt sein Unternehmen vor dem Verkauf in eine Gesellschaft um. Das erhöht aber wieder den Strukturierungsaufwand nicht unerheblich. Es fragt sich, welcher dieser fundamental unterschiedlichen Transaktionsformen denn der Vorzug zu geben ist. Die Antwort darauf lautet wie immer bei Juristen: Es kommt darauf an. Worauf es kommt, soll nachfolgend erläutert werden.

Aus dem Inhalt:
Noch mehr zum The­ma Sha­re Deal / As­set Deal beim Un­ter­neh­mens­kauf: https://www.ro­se­part­ner.de/as­set-deal-sha­re-deal.htm … Im Er­geb­nis ist al­so der Sha­re Deal in der Re­gel schö­ner als der As­set Deal und ist des­halb auch viel wei­ter ver­brei­tet … Beim Sha­re Deal wer­den Ge­sell­schafts­an­tei­le ver­kauft wäh­rend beim As­set Deal ein Un­ter­neh­men sei­ne ein­zel­nen Wirt­schafts­gü­ter ver­äu­ßert.
Share Deal– It’s so easy! Isn‘t it?

Wenn beim Share Deal die Gesellschaftsanteile übertragen werden, dann der Käufer sicher sein, dass alles, was dem Unternehmen gehört, mit übergeht. Wie von Zauberhand geht das, denn er erwirbt die Gesellschaft selbst und damit alles was der Gesellschaft gehört im Wege der Gesamtrechtsnachfolge. Eine aufwändige Dokumentation der einzelnen Wirtschaftsgüter des Unternehmens bis zum letzten Bleistift erübrigt sich damit. Andererseits liegt darin auch das Problem. Denn was der Käufer vielleicht nur dachten, dass es dem Unternehmen gehört, tatsächlich aber vielleicht nur geliehen, geleast oder unter Eigentumsvorbehalt erworben wurde, geht auf diese Weise nicht über. Diese Unsicherheiten muss er dann durch Garantien im Kaufvertrag ausdrücklich regeln. Schön ist auch, dass automatisch alle Verträge, z. B. mit Kunden und Lieferanten übergehen. Man muss sich nicht fragen, denn der Vertragspartner ändert sich ja nicht, wenn man lediglich die Anteile verkauft. Allerdings enthalten gerade wirtschaftlich bedeutsame Verträge oft sogenannte Change-of-Control- Klauseln. Die berechtigen zum Beispiel zur Kündigung, wenn der Inhaber eines Unternehmens wechselt. Das muss der Käufer in der Due Diligence prüfen und es bedarf gegebenenfalls der Einbindung des Vertragspartners oder der Berücksichtigung im Kaufvertrag. Dies ist aber beim Asset Deal bei jedem Vertrag ein Problem und hier nur in Ausnahmefällen. Insgesamt ist der Kaufgegenstand Anteile jedoch schön übersichtlich.

Asset Deal – Da weiß man, was man hat! Oder nicht?

Beim Asset Deal wird dagegen jeder Stein umgedreht, denn das sachenrechtliche Bestimmtheitsgebot fordert eine genaue Bezeichnung, was Gegenstand der Übertragung ist. Wenn das alle Wirtschaftsgüter eines großen Unternehmens sind, ist das ganz schön schwierig, wie sich leicht einsehen lässt. Es stellt sich regelmäßig das Problem, wie ich denn vertraglich sicherstellen kann, dass auch wirklich jeder einzelne Gegenstand, der übertragen werden soll, übergeht. Das Vertragswerk ist dann von vielen Anlagen und Listen gepredigt, die alle Vermögensgegenstände erfassen sollen. Dafür ist man aber vor Überraschung gefeit. Während man beim Share Deal nämlich unterhalb der Ebene Gesellschaftsanteile quasi eine „Blackbox“ erwirbt und alle bekannten - und vor allem unbekannten! - Risiken durch Garantien regeln muss, sind insbesondere die übernommenen Verbindlichkeiten bekannt. Wenn sie nicht ausdrücklich übertragen wurden, dann bleiben sie eben beim Verkäufer. Nur das kleine gallische Dorf Arbeitsrecht leistet dieser These noch Widerstand. Der § 613 a BGB sorgt hier für regelungsbedürftige Unsicherheit. So ist zunächst zu prüfen, ob durch die Übertragung der Wirtschaftsgüter ein Betrieb ganz oder teilweise im arbeitsrechtlichen Sinne übergegangen ist. Und bereits diese Feststellung kann im Einzelfall Schwierigkeiten bereiten. Lieg ein Betriebsübergang vor, so sind die Arbeitnehmer hierüber zu informieren. Dies rechtsicher zu tun, ist ebenfalls eine Kunst für sich. Wer dabei versagt, steht vor dem Problem, dass die Fristen für die Arbeitnehmer zur Erklärung, ob sie dem Betriebsübergang widersprechen, nicht zu laufen beginnen. Die Arbeitnehmer können nämlich einem Betriebsübergang widersprechen und verbleiben dann bei der Gesellschaft, welche die Assets verkauft. Zwar ist dann regelmäßig eine betriebsbedingte Kündigung möglich, aber all das will im Kaufvertrag geregelt werden. Beim Asset Deal bedarf außerdem, anders als beim Share Deal, für jedes einzelne Vertragsverhältnis, mit Kunden, Lieferanten und allen anderen Geschäftspartnern, der ausdrücklichen Zustimmung des Vertragspartners. Allein aus diesem Grund scheidet der Asset Deal als Alternative dann oft aus.

In der Praxis liegt der Share Deal vorne

Zwar hat der Asset Deal geradeaus Käufersicht unter einigen Aspekten auch seinen Scham, wie wir gesehen haben. Trotzdem ist der Share Deal viel weniger komplex umzusetzen. In der Praxis überwiegt diese Form der Transaktion daher bei weitem. Eine andere Betrachtung gilt allerdings steuerlich. Da fällt die Sicht von Käufer und Verkäufer oft weiter auseinander und es ist auch noch zwischen Kapital- und Personengesellschaften zu unterscheiden. Aber das ist ein anderes Thema in der komplexen Welt des Firmenverkaufs.

Im Ergebnis ist also der Share Deal in der Regel schöner als der Asset Deal und ist deshalb auch viel weiter verbreitet.

Noch mehr zum Thema Share Deal / Asset Deal beim Unternehmenskauf: https://www.rosepartner.de/asset-deal-share-deal.html

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